Deutsche “Softnazis” in der Musikbranche?!
Deutsche sind der Satan. Sie waren es und sie werden es auch immer bleiben … heißt es jedenfalls aus der linken Ecke. Ganz besonders laut predigen dies die antideutschen Gesellen. Was für fromme Christen die Erbschuld ist, das soll dem Deutschen der Nationalsozialismus sein. Allerdings fehlt ein deutscher Jesus, durch dessen Tod unsere Existenz wenigstens duldsam wäre. Den Job müssen wir selbst übernehmen, am besten multikulturell in einer Mischung aus Sisyphos und Jesus. Haben wir das schwere Hakenkreuz auf den Schultern zum Gipfel geschleppt, so stößt es der antideutsche Arm wieder hinunter und wir dürfen erneut schleppen.
Der erste Aufschrei, der in meiner Erinnerung hängt, stammt aus dem Jahr 2005. Einige Künstler machten klar, dass es ihnen in Deutschland schrecklich unbequem war. Zugegeben: die Forderung nach eine Quote für “deutsche” Musik trug einen versalzenen Geschmack und war lächerlich im Abgang. Otto Normalbürger hätte den Urhebern dieser Idee eine weiche Birne bescheinigt und das Thema abgehakt. Nicht so die besorgten Dramamajestäten vom anderen Rechts. Damals haben deutsche Bands, deren Lieder zumeist in deutscher Sprache verfasst waren, anderen deutschen Künstlern mit ebenfalls deutschem Liedgut Nationalismus vorgeworfen. Der Unterschied zwischen den Parteien lag darin, dass die eine es hier in Good Ol’ nicht so klasse fand, während sich die andere freute. In den FAQ der Initiative ließ man zunächst verlauten, dass deutsche Texte erstmal gar nicht schlimm seien. Schlecht sei lediglich, dass deutschsprachige Künstler auch als Deutsche wahrgenommen würden.
Sprache ist schließlich auch ein Mittel, um nationale Homogenität zu erzeugen sowie Identifikation zu ermöglichen und unter Umständen auch zu erzielen. Sobald ein/e Musiker/in aus Deutschland kommt und/oder deutsch singt, wird er/sie als Deutsche/r wahrgenommen und unter die Gruppe deutscher Künstler/innen subsummiert – oft unabhängig davon, wie er/sie selbst dazu steht.
Man lasse es kurz im Hirn zerlaufen. Natürlich gibt sich ein Deutscher durch seine Muttersprache als solcher zu erkennen. Polizisten erkennt man an ihren Uniformen und Motorradfahrer an… der Farbe ihrer Kugelschreiber. Ich frage mich: was ist daran schlimm? Schämt man sich für die selbst definierte “Erbschuld” , die man Anderen so gern unter die Nase reibt? Steht man denn tatsächlich lieber mit erhobenem Zeigefinger daneben, während die schändliche Brut zu Kreuze kriechen soll? Sägt es am arroganten Hochsitz der jungen Leute, welche keines der totalitären Regime auf deutschem Boden miterleben mussten und die sich deswegen so bequem auf ihren Sittenwächterkissen ausruhen?
Ja, liebe Leute von Kettcar, Tocotronic, verehrte Sterne und Muff Potter: ihr seid Deutsche. So sehr es euch missfällt. Ihr seid wahrscheinlich hier geboren, habt die deutsche Sprache mit der Muttermilch aufgenommen, habt deutsche Schulen besucht. Ihr verkauft eure Platten u.a. auf dem deutschen Markt. Ihr habt euch eigene Gedanken gemacht, was meines Erachtens heute in Deutschland zu den wichtigen Werten gehört. Eure Initiative wurde nicht erstickt und ihr werdet dafür nicht verfolgt, was in einem Teil Deutschlands vor ca. 20 Jahren noch an der Tagesordnung war. Mit dem Finger zeigt ihr auf Menschen, zu denen ihr selbst gehört. Nur versucht ihr euch durch Unterstellungen von ihnen abzugrenzen.
Ob nun ein Franzose darauf abfährt, Franzose zu sein oder sich ein Brite den Union Jack tätowieren lässt, ist ähnlich geschmacklos wie Musiker/innen in schwarz-rot-gold.
Weil…?
Nationen sind den Menschen gegenüber immer gewaltförmig. Sie bilden sich stets in Abgrenzung zu etwas »Anderem« – Diskriminierung und Unterdrückung sind darin bereits angelegt.
Achso. Richtig ist, dass Nationen eine Abgrenzung gegen was auch immer sind. Beispielsweise grenzen sich die eben genannten Nationen gegen Staaten ab, in denen Menschen aufgrund religiöser Vorstellungen gefoltert und ermordet werden. Oder gegen Regime, die ihre Bürger hungern lassen und von Hilfsgeldern lieber Waffen für den nächsten Stammeszwist kaufen. Inwiefern hier von Diskriminierung und Unterdrückung die Rede sein kann, ist mir schleierhaft. Möchtet ihr die Abgrenzung lieber aufheben, vielleicht einige Sitten untereinander austauschen? Wie wäre es, wenn ihr euren Töchtern mit rostigen Klingen die Genitalien verstümmeln lasst? Oder eure musikalische Tätigkeit im Namen eines anderen Glaubens aufgebt? Nein, das will hier ganz sicher niemand. Es wäre zutiefst unmenschlich und da dürften wir uns einig sein. Sind wir uns einig. Moment mal! Diskriminieren wir mit dieser Denke nicht bspw. die Menschen in Afrika? Immerhin gehört die Beschneidung dort teilweise für Frauen zum Frau-sein dazu. Manche von ihnen finden das richtig. Wir jedoch missbilligen es; wir würden es bei unseren Lieben niemals zulassen. Für uns ist es ein barbarischer und damit minderwertiger Usus. Vielleicht diskriminieren wir damit. Sollen wir uns aufgrund dessen schlecht fühlen? Sind wird etwa schlecht, weil wir auf körperliche und seelische Unversehrtheit bestehen? “Andere Länder, andere Sitten” funktioniert hier nicht. Das sagt ihr nämlich selbst.
Deutsche Chauvinist/innen billigen anderen die Rechte nicht zu, die sie für sich als selbstverständlich erachten, etwa wenn sie Menschenrechtsverletzungen in anderen Teilen der Welt ideologisch selektiv wahrnehmen und mit dem schulterzuckenden Verweis »andere Länder, andere Sitten« rechtfertigen.
Menschenrechtsverletzungen….das hatte ich ja eben angesprochen. Sich dagegen abzugrenzen, finde ich nicht falsch. Auf der anderen Seite wird man ganz schnell zum Rassisten erklärt, wenn man menschenverachtende Kulturen offen kritisiert. Ja richtig! Wenn die Beschneidung junger Mädchen – um beim Beispiel zu bleiben – als “normal” angesehen wird, dann ist dieser Kulturkreis menschenverachtend und nach meinem Verständnis nicht zu respektieren. Selbstverständlich trifft dies nicht auf Menschen zu, welche diesem Kreis zu entfliehen suchen.
Im eigenen Interesse wünschen wir uns Songs, die weder sexistisch, noch antisemitisch, weder antiamerikanisch, noch rassistisch sind und die auch nicht an die deutsche Nation appellieren.
Das klingt im Prinzip ganz edel, aber irgendwie fühle ich mich als eigentlich mündiger Bürger dann doch verarscht. Ich nehme mir heraus zu sagen, dass ich Songtexte kritisch hinterfragen kann und ihnen nicht blind folge, wenn ich sie höre. Ergo soll Sido ruhig weiter von seiner Arschfickerei rappen – als Blödsinn kann ich es selbst abstempeln. Was ihr damit fordert, ist nichts weiter als ein Mundverbot. DAS ist Unterdrückung.
Songs, die an die deutsche Nation appellieren? War das eine dunkle Vorahnung auf 2006 ? Darauf gehe ich ein anderes Mal ein.
Uns geht es mit dem Sampler also darum, Künstler/innen aufzufordern, sich nicht für eine deutsche Kulturtradition vereinnahmen zu lassen. Uns geht es darum, Gegenstimmen zum derzeitigen Abgehype explizit nationaler Kultur zu bündeln und ein kritisches Bewusstsein zu fördern. Es gibt was Besseres als die Nation.
Guess what? Soetwas wie Nationen wird es vermutlich noch eine laaaange Zeit geben. Weiter oben in euren FAQ steht:
Der Grund, warum wir keinen »I Can’t Relax With Nationalism«-Sampler herausgebracht haben, liegt nun allerdings darin, dass sich die bestehenden Unterschiede zwischen den diversen Nationalismen nicht nivellieren lassen. Von der beschriebenen grundlegenden Gemeinsamkeit abgesehen sind die historischen Konstitutionsbedingungen von Nation zu Nation nämlich sehr verschieden und sollten auch in ihrem Verhältnis zueinander betrachtet und kritisiert werden. Das deutsche Nationalbewusstsein beruht v.a. auf dem »Volk«, der gemeinsamen Abstammung als Ausschlussprinzip alles »Nichtdeutschen«.
Ihr sagt, dass die Bildung bisheriger Nationen auf unterschiedlichen Gründen beruht. Demnach können sich Nationen aufgrund politischer oder gesellschaftlicher Ansichten bilden. Da ihr ganz krass andersdenkende Leute sicher nicht gern in eurer Nähe hättet….Abgrenzung….

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