schwachz-rooth-ghail – der deutsche Nationalfußballismus *updated*

Sodele! Deutschlands erfolgreicher EM-Beginn ist jetzt ein paar Tage her, alle haben schön gefeiert und nun wartet man ruhig auf das nächste Spiel. Wieder mit von der Partie sind Millionen kleiner Deutschlandflaggen, montiert an Autos, Kinderwagen und AOK-Choppern. Freilich gehen damit auch besorgte Äußerungen einher. Dieses Phänomen kennen wir allerspätestens seit der Fußball-WM 2006.

Das Katapult wird bis an seine Grenzen gespannt, um beim folgenden Bombardement einem Jeden den Stempel des Nationalismus aufzudrücken. Ein tolles Beispiel hierfür ist der Text von Conne Island: Cosmopolitan Krauts? Fuck off! Zunächst werden in bekannter Manier deutschsprachige Musiker gebasht, deren einziger Fehler wohl nur in ihrer Nichtteilnahme bei I can’t relax in Deutschland liegt. Das ist so, als würde jemand als Fascho betitelt bloß weil er kein durchgestrichenes Hakenkreuz auf seinen Parka genäht hat. Danach wird beschrieben, wie der DFB unter seinem weltoffenen Deckmäntelchen den “nationalismus tanzbar macht“. Da reden Leute mit Che Guevara auf dem T-Shirt von Personenkult. Weiter geht es mit der durchaus richtigen Beobachtung, dass fröhliche Feierlaune beim Public Viewing ganz schnell zu Aggression umkippen kann, wenn die deutsche Nationalmannschaft ein Tor (oder zu viele davon) kassiert. Oder dass tumbe Nazi-Anspielungen bei nahzeu beliebigen Ligabegegnungen (Dynaaaahaamoooooo) zu empfangen sind. Noch viel schlimmer wird die ganze Sache bei Schilderungen, wie man sie derzeit auf Wind in the Wires lesen kann. Da schallen bedenkliche Ausrufe auch nach einem Sieg unserer Elf durch die Gassen.

In der Tat finde ich derartige Aktionen erschreckend. Im Gegensatz zu den verlinkten Artikeln stehen meine Bedenken jedoch nicht vor einem deutsch-nationalen Hintergrund. Der Knackpunkt liegt in meinen Augen nämlich darin, dass “Hass gegen Andere” wirklich überall zu sehen ist. Nicht nur unter deutschen Fußballfans – man erinnere sich beispielsweise an türkische “Festivitäten” zur WM-Ausscheidung vor drei Jahren oder die neuesten Ausschreitungen in Frankfurt. Deutscher “Nationalfußballismus” scheidet hier aus. Dieses Problem ist nahezu weltweit bekannt. Mir scheint es sich auch nur bei oberflächlicher Betrachtung um eine nationalistische Angelegenheit zu handeln. Wie bereits angesprochen, prügeln sich (europaweit) Fußballfans verschiedener Coleur. Ja, diese Gruppen stammen teilweise aus der selben Stadt, so dass mich eine Erklärung beruhend auf Lokalpatriotismus ebenso wenig befriedigen kann. Die Wurzel liegt meines Erachtens in der emotionalen Verwurzelung bestimmter Mannschaftssportarten in Europa. Gemeinsamkeiten ergeben sich, wo “brave Fans” und völlig Unbeteiligte von einer relativ kleinen Gruppe beeinträchtigt wird. Gegen solche Unruhestifter muss vorgegangen werden! Noch ein Beispiel dafür, dass Sportnationalismus keine rein deutsche Erscheinung ist? Einigen Türken gefällt es nicht, dass türkische Spieler heute mit den eidgenössischen Kickern auf das türkische Tor schießen.

Es wird sogar noch toller – ich erlaube mir einen kleinen Schlenker in die politische Welt. Schonmal mit Harringtonjacke an einem Haufen “Autonomer” oder “Alternativer” vorbei gegangen? So muss sich ein Schwarzer in Ronnie Haufdraufs national befreiter Zone fühlen.

Bei all ihren Ausführen bezüglich Abgrenzung und Feindseligkeit gegen Andere verschweigt das andere Rechts den eigenen Umgang mit Leuten, die ihnen nicht passen. Seit 1968 haben sie eine Deutungshohheit inne. SIE definieren gut und böse, der denkfaule Pöbel übernimmt den vorgekauten Brei dankbar. Wer sich von “bösen” Zeitungen interviewen lässt, der wird eben von “Dialog schaffenden” Konferenzen ausgeladen und mit aller Gewalt ferngehalten. Oder man bedient sich einfach dem Mittel der Körperverletzung. Ich bin gespannt, wie lange die erste “Das waren nachweislich getarnte Rechtsextreme“-Stellungnahme zu dem Fall auf sich warten lässt.

Apropos Stellungnahme: da war doch neulich etwas mit einigen Fotos auf den Seiten der Grünen Jugend. Eine Deutschlandflagge auf dem Boden und drumherum drei Gestalten, von denen eine die Hose runtergelassen hatte. Was für ein Schlachtfest für die Medien das war! Hierzu lese man ruhig einmal Lizas Welt: Fahnenappell.

Denn Auschwitz, das war gestern. Heute ist Deutschlandparty mit allem Drum und Dran – schließlich ist die Vergangenheit längst erfolgreich „bewältigt“. In Zahlen heißt das: Mehr als die Hälfte von Eichmanns Erben findet, Israel verfahre mit den Palästinensern so wie seinerzeit die Nazis mit den Juden… “

Och nöööö! So eine Auschwitz-Referenz musste ja kommen. Mit einem hässlichen Grinsen auch gleich noch die Erinnerung daran, dass die Gesamtheit der in von deutschen Eltern Geborenen auf ewig zum Nazisein verdammt sind. Trotz dem griff ins Klo bietet der Beitrag einen sehr interessanten Ansatz. Ganz Deutschland war empört über die Pullergeste, während fröhlich Titten bemalt, schwarz-rot-goldene Tangas vollgeregelt werden und man EM-Fantrikots bekotzt. Nicht zu vergessen die anfangs erwähnten Parolen, welche eigentlich im krassen Gegensatz zu den Farben unserer Flagge stehen sollten! Wer seinen Schniedel in nationalfarbene Baumwolle einpackt, der sollte sich bei “bösen Verunglimpfungen” nicht anstellen. So halte ich es. Generell sehe ich dem aktuellen Fahnenmeer sehr entspannt entgegen. Der für die WM 2006 befürchtete nationale Overkill war schließlich ausgeblieben und kurze Zeit danach waren keine Volkskarossen mit Standarte mehr zu sehen.

Update zum Thema “nationalistische Siegesfeiern”. Klick mich, du Sau! Einfach mal durchstöbern und zählen, wie oft nach Art der “Grauen Wölfe” gegrüßt wird. Bei Bedarf nach eben jenen googeln.

~ von unruheherd am Juni 11, 2008.

2 Antworten to “schwachz-rooth-ghail – der deutsche Nationalfußballismus *updated*”

  1. Da gebe ich dem Herrn Unruheherd meine vollste Zustimmung!

  2. [...] schon ist ” höre, dann kommt mir das kalte Kotzen. Das finde ich schlimmer als irgendwelche schwachz-rooth-ghaile Fußballeuphorie. Doch Medien und Politik machen mit. Es ist ein Armutszeugnis, wenn sich die Damen und Herren [...]

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