Leitkultur
Man ahnt es schon: damit meine ich nicht diese nützlichen Bakterien im Joghurt, die verdaute Nahrung sicher durch den Darm leiten. Es handelt sich tatsächlich um jenen Begriff, welcher vor sieben oder acht Jahren unser schwarz-rot-güldenes Land vor Besorgnis hat zittern lassen.
Als dieses Wort damals ganz laut durch die Medien schallte, ging es eigentlich nur darum, dass sich Zuwanderer an gewisse Punkte zu halten hätten, welche rein zufällig die Säulen des Zusammenlebens in Deutschland bilden. Dabei witterten beide Extreme, von links wie von rechts, ihre Redechance und es wurde heftig debattiert, getönt und gehetzt. Während unsere “national bewussten” Mitbürger aus tiefster Kehle “jawohlja” riefen, redete man am linken Fensterrand gleich von Assimilierung, blondierten Zuwanderern aus Afrika und so weiter. Leitkultur mag zunächst befremdlich klingen – sollten denn etwa ALLE Briefe an den Weihnachtsmann schreiben und Bier trinken? Weihnachten und Bier gehören schließlich zur hiesigen Kultur. Andererseits beinhaltet Kultur in diesem Kontext wohl auch Werte und Rechtsverständnis. Genau darum geht es meiner Meinung nach beim Thema Leitkultur. Davon “betroffen” sein dürften mal wieder vorwiegend Menschen, die muslimischen Kreisen entstammen. Schließlich liest man auf diesem Gebiet recht wenig von “Problemfällen” z.B. mit lettischem, schwedischem, oder brasilianischem Hintergrund. Wieso auch? Deren Kulturen sind der deutschen mehr oder weniger ähnlich. Man hat gemeinsame Werte und Vorstellungen, die stark vom christlichen Glauben geprägt sind. In Deutschland hat sich die Einstellung zum Leben stark von der Bibel entfernt. Wer Sonntags nicht in die Kirche gehen will, der geht eben nicht hin. Wer sich nicht klaglos je eine Backpeife auf die linke und die rechte Wange geben lassen will, der darf rechtliche Mittel selbst gegen verbale Angriffe in Anspruch nehmen. Susi Sorglos sucht sich ihren Partner selber aus. Das ist in Deutschland selbstverständlich, jedenfalls für “westlich geprägte” Leute. Dem entgegen steht ein viel zu großer Teil von hier lebenden Muslimen. Aber Unruheherd! Hast du etwa ein Problem mit andere-Kultur-Menschen? Der Eindruck könnte in diesem Blog durchaus entstehen. Die Antwort ist: nein und ja. Kein Problem, wenn sich Zuwanderer so verhalten, wie man es sich auch von “Deutschen” wünscht. Definitiv ein Problem, wenn dem nicht so ist. Ich durfte zwei muslimische Familien kennen lernen, bei denen man sich einfach wohl fühlen konnte. Das waren fromme Menschen. Das waren Menschen, die mit läutenden Kirchenglocken kein Problem hatten – außer wenn sie als zu laut empfunden wurden und das ist wahrlich keine ideologische oder religiöse Angelegenheit. Die Töchter trugen kein Kopftuch, weil sie es nicht wollten. Sie hielten sogar in aller Öffentlichkeit Händchen mit ihren Freunden. Kein Hahn krähte nach “beschmutzter Ehre”. Diese Leute waren integriert, ohne ihre Indentität verloren zu haben.
Auf der dunklen Seite des Mondes stehen nun jene Muslime, die eine Resistenz aufrecht erhalten. Man liest in der Zeitung von ihnen, wenn mal wieder ein sog. Ehrenmord verübt wurde. Wenn man mal bei YouTube nach entsprechenden Videos sucht, so findet man immer wieder Kommentare mit folgender Aussage: so ist das nunmal im Islam. Sie hat sich falsch verhalten und Schande über ihre Familie gebracht. Bei solchen Kommentaren platzt mir der Arsch. In vielen Ländern wird der Koran genau so ausgelegt. Das ist nicht schön, aber in diesen Ländern ist es nunmal so. Diese Auslegung ist dort teilweise gesetzlich verankert. Nicht aber in Deutschland. Trotzdem sieht man ständig Versuche, diese Lebensweise zu “importieren”. Da stehen religiöse Angelegenheiten über einer Sache, vor deren Errichtung in Deutschland viel Leid zu ertragen war. Es geht um die freiheitliche demokratische Grundordnung. Sie soll unter anderem die freie Entfaltung der Persönlichkeit – innerhalb gesetzlicher Grenzen – garantieren. Wenn ich wollte, dann dürfte ich mit jedem Klagang dem Porzellangott huldigen. Aber ich darf niemandem den Bauch aufschlitzen, um dessen Verdauungsprodukte der heiligen Schüssel zu opfern. Genau dies geschieht aber immer dann, wenn eine Muslima ein “unislamisches” Leben führt; ein Leben entgegen der Ansichten ihrer Familie. Vater, Bruder oder Cousin schlitzen den “schändlichen” Bauch auf, um ihre Toilette (Familienehre) neu zu weihen.
Jeder freiheitlich gesinnte Mensch fasst sich da an den Kopf. Sowas darf nicht sein. Sowas ist unmenschlich. Trotzdem gibt es nicht muslimische Leute, die ein gewisses Verständnis für solche Taten aufbringen, auch wenn sie die Taten verurteilen. Salopp gesagt: “Das ist bei denen eben so. Toll ist das nicht, aber mit gaaanz viel Verständnis und Fingerspitzengefühl kriegen wir das schon hin. ” Ich frage mich, weshalb man dafür Verständnis haben sollte. Selbst wenn es “nur” bei Einschüchterung oder Unterdrückung bleibt. Es ist eine Sache, wenn man Unmut über den Freundeskreis seiner Kinder äußert. Anders ist es, wenn man sie ihrer Freiheit beraubt oder gar misshandelt. Wer soetwas in Deutschland tut, der gehört bestraft. Die Gesetze gelten für Jedermann – egal welchen Pass sie haben und wo sie geboren wurden. In Saudi-Arabien würde ich meine Frau auch nicht im Bikini über die Straße flanieren lassen oder Pornohefte verkaufen. Wenn ich denn darauf bestehe, dann setze ich eben keinen Fuß in dieses Land. Ich würde mich auch nicht in Nordkorea niederlassen, weil meine persönliche Freiheit dort massiv eingeschränkt würde. Deswegen sage ich ganz offen: wer nach Deutschland kommt sich einen Dreck um deutsche Gesetze schert, den will ich hier nicht haben. Wer nicht damit klar kommt, dass Mädchen und Jungen die selben Rechte haben und die selbe Sporthalle nutzen, der möge sein Glück woanders suchen. Familien wie die oben beschriebenen bringen Glauben und Grundgesetz problemlos unter einen Hut. Dabei ist die Religion egal, denn für gläubige Christen, Hindus oder Pastafaris gelten die gleichen Spielregeln.
Leitkultur ist für mich ein kurzer Begriff für unsere freiheitliche demokratische Grundordnung. Mit dieser Definition verliert die Leitkultur ihren bedrohlichen Schatten.
Last but not least: auf eine Erklärung, dass ich
- nicht rechtsextrem bin
- nicht falsch verstanden werden möchte
- aber vor allem, dass ich wirklich kein Fascho bin, weil ich sowas ganz furchtbar finde
verzichte ich. Sowas halte ich nicht für nötig.

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