Wut im Arsch, Waffe in der Hand.
Viele Stimmen haben sich zu dem schrecklichen Ereignis von Winnenden zu Wort gemeldet und wie gewohnt wurde vielfach nach den üblichen Maßnahmen verlangt. Allen voran das Verbot von gewalttätigen Computerspielen und eine Verschärfung des Waffengesetzes. Immerhin war die Tat noch ganz „frisch“, als die Besitztümer von Tims Vater (eine Menge Schusswaffen) und der Inhalt von Tims Computer bekannt wurden. Einzig das Thema „böse Musik“, welches nach dem Amoklauf Robert Steinhäusers im Jahre 2002 mit von der Partie war, ist heute in den Medien nicht zu finden.
Mit der Waffenanlegenheit als Schwerpunkt folgt nun mein Senf dazu.
Die Winnender Zeitung hat einen offenen Brief veröffentlicht. Die Eltern einiger Opfer haben ihn geschrieben und er vereint all die medienwirksamen Forderungen nach Einschränkungen und Verboten. Das sind Punkte, die auch ich teilweise für halbherzig bedacht halte, jedoch sehe ich hier ein großes Aber: die Verfasser des Briefes haben Familienmitglieder verloren und in der Einleitung erwähnen sie ihre momentanen Gefühle. Daher finde ich, dass man ihnen Halbherzigkeit und überhastete Forderungen nicht negativ vorhalten sollte. Diese Eltern sind direkt betroffenen und auch wenn ich mich glücklicherweise nie in deren Lage befunden habe, so kann ich sie zumindest ansatzweise verstehen.
An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich als Waffenbesitzer selbst keinen Anspruch auf völlige Objektivität hegen kann.
Ein Abschnitt des briefes lautet:
Schusswaffen und Sport
Wir wollen, dass der Zugang junger Menschen zu Waffen eingeschränkt wird. Die derzeitige gesetzliche Regelung ermöglicht die Ausbildung an einer großkalibrigen Pistole bereits ab dem 14. Lebensjahr. Bedenkt man, dass ein junger Mensch gerade in dieser Zeit durch die Pubertät mit sich selbst beschäftigt und häufig im Unreinen ist, so ist die Heraufsetzung der Altersgrenze auf 21 Jahre unerlässlich.
Grundsätzlich muss die Frage erlaubt sein, ob der Schießsport nicht gänzlich auf groß-kalibrige Waffen verzichten kann. Bis in die achtziger Jahre hinein genügten unseres Wissens nach den Sportschützen kleinkalibrige Waffen. Bis heute sind die olympischen Wettkämpfe auf Luftdruck- und Kleinkaliberwaffen beschränkt.
Sollte aus Gründen, die wir nicht kennen, der Verzicht auf großkalibrige Waffen nicht möglich sein, so muss die Schusskapazität verringert werden. Bei der Jagd sind die Magazine der automatischen Waffen auf maximal 2 Schuss begrenzt. Warum nicht auch beim Sport?
Der Gesetzgeber hat die Vergabe von Waffenbesitzkarten und die daraus entstehenden Verpflichtungen, wie z. B. die Aufbewahrung von Waffen und Munition, vollständig geregelt.
Die zu erwartenden Strafen bei Verstoß gegen die entsprechenden Gesetze erfüllen aber nicht ihren Zweck. Eine Ordnungswidrigkeit wird eher wie ein Kavaliersdelikt betrachtet. Der Gesetzgeber muss Verstöße gegen das geltende Waffenrecht deutlicher und stärker ahnden.
Zum ersten Absatz möchte ich sagen, dass die Kompetenz von Sport- und Jugendleitern und auch die der Eltern eine ganz gewichtige Rolle spielt. Immerhin bedarf es des schriftlichen Einverständnisses der Eltern, damit ein Nachwuschsschütze unter 16 Jahren mit „richtigen“ Waffen umgehen darf. Grundsätzlich muss das Schießen auch mit Druckluftwaffen durch ausgebildetes Personal beaufsichtigt werden, egal wie alt der Schütze ist. Ich persönlich halte die Altersgrenze von 14 Jahren mit all ihren Auflagen auch für zu niedrig, sähe sie aber lieber bei 16 Jahren und nicht erst bei 21.
Zum Verzicht auf großkalibrige Sportgeräte kann ich mir eine kleine Klugscheisserei nicht verkneifen: die olympischen Sommerspiele beinhalten auch Wurfscheibendisziplinen und diese werden mit Flinten bis zum Kaliber 12 (entspricht einem Kaliber von etwa 18,5 mm) bestritten. Geringere Magazinkapazitäten würden mit der Streichung vieler Disziplinen – es gibt immerhin nicht nur den Deutschen Schützenbund – einhergehen und wohl fast automatisch zu einem weitgehenden Verzicht auf Großkaliber führen. Ganz einfach deswegen, weil unzähligen GK-Schützen die Grundlage für ihren Sport weggenommen würden. Zum Sinn des Schießsports komme ich später nochmal.
Dem letzten Absatz stimme ich im großen und ganzen zu. Wahr ist auch, dass gesetzlich vorgeschriebene Kontrollen zu selten durchgeführt werden. Es fehlt an Personal und meiner Meinung nach sollte man bestehende Gesetze erstmal richtig anwenden, ehe man sie ändert. Es ist traurig, dass solche Sparmaßnahmen immer nur rund um Tragödien bemängelt werden – auch von Leuten, die derartige Maßnahmen ansonsten gepflegt ignorieren.
Eine weitere Stimme aus der Region ist Hermann Scheer, ein Bundestagsabgeordneter der SPD. In einem taz-Artikel heißt es:
Die radikalste Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden will Hermann Scheer ziehen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete, in dessen Wahlkreis Waiblingen der Amoklauf am Mittwoch geschah, verlangt ein generelles Verbot von privatem Waffenbesitz. Dies sei „die einzige effektive Prävention gegen Amoktäter“, sagte Scheer am Donnerstag gegenüber der taz. Es gebe mehr als zwei Millionen Waffenbesitzer in Deutschland. Offenkundig seien die Amokläufe in Winnenden und in Erfurt durch die leichte Verfügbarkeit der Waffen begünstigt worden. „Der Täter in Winnenden wäre sonst ja vielleicht gar nicht auf die Idee gekommen“, sagte Scheer.
Gewiss müsse es bei einem Waffenverbot Ausnahmen geben, etwa für Förster oder Jäger. Die Schützenvereine müssten dazu verpflichtet werden, „die Waffen in den Vereinen zu verwahren“. Das Verbot treffe „99,9 Prozent Leute, die verantwortlich mit den Waffen umgehen“, sagte der SPD-Politiker. Doch die Möglichkeit, so künftige Bluttaten zu verhindern, rechtfertige dies.
Ebenso war er kürzlich bei Stern TV zu sehen. Dort äußerte er einen Weiteren Gedanken zur privaten Aufbewahrung von Waffen. Er sei früher im modernen Fünfkampf aktiv gewesen, wo Schießen eine Teildisziplin ist. Allerdings wären die Sportgeräte vom Veranstalter ausgegeben und nach dem Wettkampf gleich wieder eingepackt worden. Also müsse ein Sportschütze seine Waffe auch nicht zu Hause haben.
1. Im modernen Fünfkampf wird mit Luftpistolen geschossen.
2. Ich gehe davon aus, dass Herr Scheer Breitensportler war. Der Breitensport liefert nun nicht gerade Spitzenleistungen und daher reicht ausgeliehenes Equipment meistens völlig aus. So ist es auch beim Schießsport. Wenn jemand Schießabende hauptsächlich wegen der netten Skatrunde besucht, so wird er sich kaum ein eigenes Luftgewehr, geschweige denn eine Kleinkaliberbüchse oder einen Revolver kaufen. Schon allein der Beschaffungskosten wegen. Wenn man allerdings Leistungen erbringen will, so wird eine eigene Waffe unerlässlich. Diese kann man selbstredend im Schützenhaus lagern, sofern die Möglichkeit vorhanden ist.
Ein Beispiel aus der Praxis: ich bin Mitglied in zwei Schützenvereinen. Ich schieße Luftgewehr, Luftpistole und Kleinkalibergewehr. Alle meine Sportgeräte werden zu Hause aufbewahrt – warum? Meine Aktivität beschränkt sich nicht auf Vereinsmeisterschaften und Königsschießen, ich schieße auch Rundenwettkämpfe. Diese laufen nach dem gleichen Schema ab, wie man es beim Fußball oder Tischtennis sehen kann: man ist mal hier und mal ist man dort. Die Wettkampftermine decken sich selten mit den Schießabenden meines Stammvereins hier im Ort. Um an mein im Vereinshaus gelagertes Sportgerät zu kommen, müsste ich also meistens einen Sportleiter kontaktieren, der auch Zugang zu den Waffenschränken hat. Was ist nun, wenn diese Person nicht erreichbar ist? Dann habe ich eben Pech gehabt und kann meinen Sport nicht richtig ausüben. Wenn ein Verein mehrere Trainingstermine in der Woche hat, mag das einfacher sein. Bei uns ist es aber nur der Freitagabend. Ich bin jedoch wegen der Rundenwettkämpfe an Samstagen, Montagen oder Donnerstagen unterwegs. Wenn ich auf der Landesmeisterschaft gestartet bin, so schoss ich bisher immer vormittags an einem Werktag. Die meisten Leute sind dann auf der Arbeit, ich käme nicht an mein Gewehr heran und könnte nicht am Wettkampf teilnehmen. Deshalb bewahre ich meine Sportgeräte zu Hause auf, in einem Waffenschrank der Klasse A nach VDMA 24992. Kurz: ich halte mich an das Waffengesetz. Den Begriff Sportgerät benutze ich übrigens nicht zur Beschwichtigung – meine beiden Luftdruckwaffen und das Kleinkalibergewehr habe ich ausschließlich zu sportlichen Zwecken gekauft. Allesamt sind sie Einzellader und ehe ich mit meinem KK-Gewehr eine ernsthafte Gefahr darstellen könnte, würde man mir spätestens beim Nachladen für den zweiten Schuss die Fresse poliert haben. Aber selbst wenn sich ein Ruger Blackhawk in .44 Magnum in meinen Schrank kuscheln würde, so bliebe er ein Sportgerät.
Außerdem kam bei Stern TV der Punkt auf, dass „gut bestückte“ Schützenhäuser ein lohnendes Ziel für Einbrecher darstellen. Das liegt daran, dass sehr viele Vereinsheime außerhalb von Ortschaften liegen. Allein in meinem Kreisverband betrifft dies 11 von 19 Vereinen. Die Schützenhäuser liegen entweder am äußersten Rand des Ortes oder mitten im Wald. Kennt man die Gewohnheiten eines Vereins gut genug, so hätten zwielichtige Gestalten mitunter tagelang Zeit für ihre Machenschaften. Herr Scheer konterte damit, dass es sich hierbei jedoch um eine völlig andere Tätergruppe handeln würde. Da hat er Recht. Aber sollen wir einer deutlich aktiveren Gruppe von Kriminellen das Geschäft erleichtern, um einen verschwindend kleinen Kreis von seinen Taten abzuhalten? Würden Amokläufe überhaupt wirklich verhindert? In ihrer Art und Weise vielleicht schon. Dann sprechen wir uns aber wieder, wenn der nächste durchgeknallte Schüler Rohrbomben in den Klassenräumen verteilt oder Brände legt. Wie kommt Herr Scheer überhaupt darauf, dass Tim ohne Vatis Hobby vielleicht gar nicht auf die Idee gekommen wäre? Wenn jemand einen anderen Menschen mit Hilfsmitteln umbringt, dann ist dieses Hilfsmittel lediglich das Werkzeug für eine bereits beschlossene Tat. Es wäre kaum weniger schrecklich gewesen, hätte Tim seinen Opfern mit einem schweren Hammer die Schädel zertrümmert. Ebenso verhält es sich aus meiner Sicht mit sog. „Familientragödien“, in denen Förster/Jäger/Schütze Papi seine Familie und schließlich sich selbst erschießt. Das ist erst kürzlich wieder geschehen. Auf der anderen Seite greift man bei solchen Fällen aber auch gern zu Messern, Hämmern, Äxten und so weiter, wie sich gezeigt hat. Dort waren keine Schusswaffen im Spiel und dennoch haben sich diese Vorfälle in ihrer ganzen Brutalität ereignet. Das erfährt man alles übrigens beim Abendbrot von Explosiv, Brisant und anderen Boulevardmagazinen. Man lese dazu noch einmal den offenen Brief, dort geht es auch um die Medien.
Claudia Roth erweitert das Verbotsportfolio immerhin um einen wichtigen Gedanken. Die Menschen müssten wieder mehr miteinander leben, sich kümmern und so weiter. Allerdings kommt auch Frau Roth nicht um volksbefriedigendes Geblubber herum:
Die massive Präsenz von tödlichen Schusswaffen in Privatbesitz gefährde die Sicherheit in diesem Land. „Wenn sich 78% der Deutschen für ein Verbot von Waffen in Privathaushalten aussprechen und die deutsche Waffenindustrie sich gleichzeitig auf der größten Waffenmesse in Nürnberg feiert, dann passt das nicht zusammen“, so Roth. Es gebe keine sinnvolle Begründung für die Existenz eines gigantischen und flächendeckenden Arsenals von tödlichen Schusswaffen. „Je weniger scharfe Waffen in einem Land verbreitet sind, desto sicherer lebt man dort“, erklärte Claudia Roth.
Die Bundesvorsitzende der Grünen forderte daher eine umfassende Abrüstung und Entwaffnung bei den in Privatbesitz befindlichen Waffen, die Einführung eines zentralen Waffenregisters sowie Lösungsvorschläge zur zentralen Lagerung . „Kinder sollen mit Spielzeug, Büchern und Musik aufwachsen und nicht mit tödlichen Waffen als Teil ihres häuslichen Alltags“, so Roth. Es gehe um die Sicherheit von Kindern, Jugendlichen und Familien in Deutschland und nicht um das Buckeln vor einer mächtigen Waffenlobby.
Da ist er wieder, dieser linke Stürmer-Stil. Mit Abrüstung und flächendeckenden Arsenalen beschwört sie offenbar eine kriegslüsterne Meute von bis an die Zähne bewaffneten Maniacs – namentlich als Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland bekannt – und weist vehement darauf hin, dass tödliche Schusswaffen tödliche Folgen für tödlich Verletzte Todesopfer haben können. Sie liegt richtig mit dem Gedanken, dass Kinder nicht zwischen tödlichen flächendeckenden Arsenalen tödlicher Tötungswerkzeuge aufwachsen sollten. Es gibt leider vieles, womit Kinder möglichst nicht aufwachsen sollen. Ausgeschlachtete Sexualstraftaten zum Beispiel (wie war das noch mit den Medien) oder der Playstation als große Schwester. Oder Mordanklagen an die eigenen Eltern. Wie viel davon in elterlicher Hand liegt, ist ein simples Gedankenspiel. Und wenn sich die Mehrheit der selbsternannten Umweltrettungspolitiker für Spritsparautos ausspricht und selbst zu Limousinen greift, über deren Schutzwirkung sich so mancher Soldat vor 70 Jahren gefreut hätte, dann passt das nicht zusammen. Dass die Zahlen von legal besessenen Waffen und Verbrechen mit Schusswaffen (ob legal oder nicht) nicht so pauschal verknüpft werden kann, darüber gibt es zig Berichte von Behörden. Claudia Roth ignoriert das und sonnt sich lieber im Schein ihrer hochnäsigen Anmaßungen. So kennt man sie.
Weniger prominent sind all die Verfechter eines Totschlagarguments. Sie fragen nach dem Sinn sportlichen Schießens und dem Grund, wie sowas überhaupt als Sport angesehen werden könne. Sport definiert man unterschiedlich. Für die Einen zählen körperliche Leistungen, für die Anderen der reglementierte Vergleich. Ganz gleich ob es sich um einen Athleten, einen Rennfahrer oder einen Schachspieler handelt – nach einem richtig langen Wettkampf sind sie allesamt erstmal so richtig schön erschöpft. Darin gleicht sich so ziemlich alles, was man als Sport bezeichnen möchte und beim Schießen ist es genau so. Die Motivation für Leistungssportler liegt an Höchstleistungen, die sich nur durch Perfektion erreichen lassen. Die Atmung muss perfekt passen, der Anlauf muss perfekt sein, die Wurftechnik muss perfekt sein, man muss perfekt Anbremsen und perfekt aus der Kurve heraus beschleunigen. Je weiter man zum Breitensport kommt, desto größer sind Faktoren wie Spaß oder schlichte Gesunderhaltung. Mir macht das Schießen Spaß. Ich habe ein sprichwörtliches Ziel vor Augen, dem meine gesamte Aufmerksamkeit gelten muss. Für andere Gedanken ist nicht viel, im Idealfall gar kein Platz. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass ich auch große Verärgerung wie durch Zauberei vergesse. Ich reagiere mich nicht ab, sondern ich sortiere alles Schlechte aus. Hinterher kann ich mich wieder mit den Problemen befassen und komme zu dem Schluss, dass sie vielleicht gar nicht sooo schlimm sind und dass ich mich ihnen gelassen stellen kann. Vor allem durch die Wettkämpfe komme ich unter andere Leute, unterhalte mich, treffe Bekannte.
Aber kannst du das nicht auch mit anderen Sportarten haben? Warum ausgerechnet Schießen?
Jetzt greife ich ganz frech zu einer universellen Standardantwort: warum denn nicht? Es ist mir nicht verboten und ich gefährde niemanden damit. Ich kenne meine Verantwortung, ich kenne die Regeln und befolge sie.
Es gibt kein Grundrecht auf Waffenbesitz.
Stimmt. Es gibt auch kein Grundrecht auf besonders große oder leistungsstarke Autos. Aber es passieren täglich Unfälle und ständig stirbt jemand im Straßenverkehr, weil zu viele Fahrer verantwortungslos fahren oder sich einfach überschätzen.
Es gibt auch kein Grundrecht auf Wintersport. Wieso müssen in der Saison erstmal zig Skipisten mit Schneekanonen und Raupen präpariert werden, unter großem Energieaufwand, damit hinterher eine Meute von verantwortungslosen Pistenrambos kleine Kinder über den Haufen fahren kann? Fit halten kann man sich auch beim Joggen. Das ist billiger und schont die Umwelt. Was ist das denn für eine Natur, die man sich erstmal aufbauen muss? Wieso müssen sich so viele Leute auf irgendwelchen Hütten besaufen, um am nächsten Morgen mit bedenklich viel Restalkohol im Blut wieder über den Schnee zu rutschen? Was ist daran Sport? Was ist daran Kultur? Müssen Kliniken unbedingt gefüllt und die Krankenkassen belastet werden, weil jemand unbedingt schneller im Tal ankommen wollte und sich prompt die Gräten gebrochen hat?
Wieso werden Discobesucher nicht dahingehend kontrolliert, ob sie eine Fahrerlaubnis und Fahrzeugschlüssel dabei haben? Diesen Gästen könnte man kurzerhand den Alkoholausschank verwehren und schon gäbe es zumindest an Wochenenden weniger Verkehrsunfälle durch Alkoholeinfluss.
Wieso behindern so viele Möchtegernrennradprofis den fließenden Verkehr, obwohl Radwege vorhanden sind? Wenn die Radwege für Rennräder nicht geeignet sind, warum suchen sich die Radfahrer denn nicht einfach geeignete Strecken?
Wozu braucht man Nordic Skating im Sommer? Wenn man diese überholen will, muss man ständig Angst haben deren Stöcke (Skistöcke… im Sommer!) in die Fresse zu kriegen. Können die nicht auch normal skaten?
Warum heulen die Leute rum, wenn Surfer oder Schwimmer von Haien, Quallen oder sonstwas verletzt werden oder ertrinken? Dass genannte Tiere im Meer leben ist doch bekannt. Hätten die nicht auf einem See surfen können?
Die Polemik musste sein. Das ließe sich noch viel weiter führen und letztendlich ist die persönliche Freiheit das letzte Quäntchen zur Antwort all dieser Fragen. Ich bin der festen Überzeugung, dass man diejenigen, die so gerne mit „es kann nicht sein, dass persönliche Freiheiten über die Sicherheit anderer Leute gehen“ argumentieren, mit ihrer eigenen „Waffe“ bei den Klöten packen könnte. Freiheiten lassen sich immer leicht beschneiden, sofern es nicht die eigenen sind.
Ein wichtigeres warum ist für mich: warum haben all die Amokläufer einen solchen Hass auf ihre Mitmenschen entwickelt? Warum haben sie sich dermaßen wertlos gefühlt, wo unsere Gesellschaft doch vor Selbstentfaltungsmöglichkeiten strotzt? Lag es daran, dass sie eben nicht so funktioniert haben, wie es erwartet wurde? Wieso muss man überhaupt funktionieren? Viele Menschen werfen diese Fragen auf, doch bleiben sie offenbar weitgehend ungehört. Verändert hat sich außer neuer Gesetze nichts und deswegen folgten die Taten von Emsdetten und Winnenden. Wahrscheinlich wird sich das auch noch wiederholen. Immer wieder heißt es „der war halt irgendwie komisch. Hat andere Sachen gemacht und so.“ Warum hat niemand reagiert, wo die Leute doch so anders und komisch waren? Hat man sie ganz klammheimlich irgendwo verachtet deswegen? Der Amokläufer von Emsdetten hatte seine Todesliste. Einer der Kandidaten wurde im Fernsehen befragt. Er wüsste nicht, warum sein Name darauf stand. Wusste er es wirklich nicht, oder wollte er es nicht wissen? Vielleicht war der Grund für den Kandidaten so banal wie Dieter Bohlens Kommentare bei DSDS. Für den Täter war es offenbar nicht so normal. Jedenfalls wird er sich bei der Liste schon was gedacht haben.
Zum Schluss noch die schwarze Alice zum Thema:
…Tim K. befand sich seit seiner Musterung in psychiatrischer Behandlung, er hatte die Therapie jedoch nach fünf Sitzungen abgebrochen. Der 17-Jährige soll „Depressionen“ gehabt haben. Wir alle kennen depressive Frauen. Morden sie? Nein, höchstens sich selbst…
Stimmt – höchstens sich selbst…..und ihre Kinder, weil sich ja niemand mehr um sie kümmern könnte. Der Artikel beinhaltet einige gute Aspekte, aber warum muss solcher unwahrer Bullshit mit rein? Mag sein, dass Kinder mordende Deprimuttis Einzelfälle sind. Nach Hermann Scheers Ansicht müsste es aber richtig sein, 99,9% aller „guten“ Mütter zu bestrafen, nur um solche Einzelfälle zu verhindern. Irgendwie.

Ein interessanter Artikel.
Gerhard schrieb dies am Juli 5, 2009 um 11:21 |