Hokus Pokus Fidibus – dreimal schwarzer Balken

Kaffee aufsetzen und Keksdose auf den Tisch stellen! Dieser Beitrag wird lang. Einen Eimer solltet ihr euch auch besorgen, denn die Kekse möchten hausfriedensverträglich wieder ausgekotzt werden. Kotzen werdet ihr nämlich – ich lasse euch aber die Wahl: ihr kotzt entweder wegen meines Geschwafels, oder wegen der übelriechenden Monatsausflüsse gewisser PolitikerINNEN.

Hier soll es nun um zwei „Phänomene“ gehen, die sich mit DEM Thema des Jahres beschäftigen. Das böse Internet, Klappe die 4827-ste! *klack*

Beginnen wir mit einem weiteren Artikel auf Welt Online. Darin heißt es:

Nach der bevorstehenden Sperrung von Kinderporno-Seiten will Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) gegen weitere rechtswidrige Inhalte im Netz vorgehen. „Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder“, sagte sie dem „Hamburger Abendblatt“, kündigte aber an, man müsse „weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten.“

Damit hat Frau von der Leyen einmal mehr die Befürchtungen angeheizt, die von Anfang an die aktuelle Kinderpornodiskussion begleitet haben. Wenn sich erstmal der geplante Zensurmechanismus etabliert hat, stünden weiteren Aktionen bestürzten Augenzuhaltens die Tore weit offen. Diese Bedenken nehmen nun ganz offensichtlich die immer klareren Umrisse einer präsenten Bedrohung an. Ich versuche es mal hübsch zu verpacken. =)

Ursula von der Leyen gebiert sich als des Volkes Supermami, die ihrem Volkskind vorm Affengehege die Augen ganz fest zuhält, damit das Völkchen keine unangenehmen Fragen über fickende Schimpansen stellt. Ursprünglich haben sich die Affen mit einem Kind vergnügt, welches irgendwie ins Gehege geriet. Anstatt sofort den Tierpfleger zu rufen, um die Affen zu betäuben und das Kind schleunigst aus dem Gehege zu holen, verpasst Ursel ihrem Volker eine Augenbinde und schiebt ihn fix weiter ins Reptilienhaus. Andere Zoobesucher schlagen die Hände erschrocken über ihren Köpfen zusammen! Da wird ein kleines Kind zum Lustspielzeug einer Schimpansensippe und eine Mutter mit direktem Draht zu den Wärtern macht sich aus dem Staub. Wenn es kommt, dann kommt es eben dicke. Mama Ursula und ihr kleiner Volker besuchen den Zoo am nächsten Tag wieder. Nun steht eine seltsam gekleidete Gestalt vor dem Schimpansengehege und animiert die Affen belustigt dazu, sich aufrecht hinzustellen und den rechten Arm lang auszustrecken. Anstatt das Zoopersonal zu rufen, um den Besucher vor die Tür zu setzen, schiebt Mutti ihren Volker erneut weiter, denn der Bub darf nicht wissen, dass manche Leute übles im Sinn haben. Am folgenden Tag gibt Ursula in unendlicher Gnade den verlotterten Schimpasen eine weitere Chance. Allerdings spielen die Affen verrückt. Sie polieren sich gegenseitig die Fresse, um den rechtmäßigen Besitzer der letzten dicken Orange zu ermitteln. Blutige Konflikte sind im Tierreich nicht ungewöhnlich. Ursula fände es jedoch unschön, wenn diese Konflikte zu sehr für gewöhnlich erachtet würden. Volker spürt einmal mehr die treibenden Hände seiner Mutter im Rücken. Mama Ursula beschließt, dass mit dem Zoodirektor ein ernstes Wörtchen zu wechseln ist. So kann es nicht weitergehen, der Zoo ist ja schlimmer als die Reeperbahn nachts um halb Eins! Auf dem Weg zum Verwaltungsgebäude zupft Volker an Muttis Rockzipfel. „Duuu Mama…warum ist der Junge da so böse zu seiner Mutter„, fragt er und zeigt auf einen anderen Jungen. Dessen Gesicht ist knallrot vor Wut und er beschimpft seine Mutter, die ihm heute kein Stofftier im Souvenirgeschäft kaufen wollte. Man fragt sich, wo der Junge diese Ausdrücke geler- HIMMEL! In letzter Sekunde denkt Ursula daran, Volkers Ohren zuzuhalten. Sonst wüsste sie nämlich bald, wo ihr Sohn solche Schimpfwörter aufgeschnappt hätte. Das ging gerade noch einmal gut. Dem Herrn Zoodirektor würde sie jetzt richtig was verklickern. Unter Berufung auf ihre einflussreichen Freunde verdonnerte sie den Direktor dazu, sämtliche Tiergehege rundum mit diesen coolen neumodischen LCD-Fenstern zu versehen, die binnen Sekundenbruchteilen undurchsichtig gemacht werden könnten. Auf diese Weise könnte man Zoobesuchern den Anblick rolliger Äffchen ersparen. Außerdem muss der Zoodirektor nun – Arbeitsplatzjoker!!!! – psychologische Betreuer auf dem gesamten Zoogelände postieren, damit andere Mütter sich nie wieder von ihren Bälgern müssten anmotzen lassen. Zur Belohnung pappte sie an die Pforte des Zoos ein großes grünes Siegel. Dieses Gütesiegel für Persil-reine Familienunterhaltung garantiert seither ungetrübte Zuckerwattebilder von glücklichen Rehkitzlein. Um genau zu sein, gibt es in diesem Zoo auch nichts mehr zu sehen, denn die meisten LCD-Schaukastenscheiben sind praktisch immer auf blind gestellt. Hier verschlingt eine Boa gerade wehlose Mäusebabies, dort fährt ein Elefant sein mächtiges Glied aus, um Elefantenkuh Nghwiaghi zu beeindrucken und dazwischen finden zahllose weitere Abartigkeiten des Tierreichs statt. Es könnte so schön sein, wenn da nicht diese verständnislosen HartzIV-Eltern wären. Die regen sich nämlich darüber auf, dass sie für ihr hart erspartes Geld nichtmal mehr ein verdammtes Flusspferd zu sehen bekommen. Wie auch, wenn dieses Tier in einer Tour kackt und offenbar noch Freude an dieser perversen Praktik verspürt? „Ihr seid doch pervers„, schimpft Ursula zurück. „Und ihr Reptilienfreunde auch! Blutrünstiger Abschaum!“ Ursula versteht die Welt nicht mehr. Vielleicht sollte sie lieber nach Hause gehen und in Ruhe nachdenken. Es zupft wieder am Rockzipfel. „Mama. Was ist eigentlich ein Flusspferd?“ „Das weiß ich allerdings auch nicht, mein kleiner Schatz„, entgegnete sie. Ja, sie würde nachdenken müssen. Und vorher den Brockhaus aus dem Regal holen. Flusspferde…

Jetzt träufele ich euch Ohrentropfen in den Kaffee, damit der Eimer auch wirklich voll wird.

Madame BüSo hat uns ein herrliches Stück Propaganda von glücklichen Netznagern kredenzt. Mit diesem pdf möchten uns die Bewohner des Sterns Solidaria aufwecken. Killerspiele töten die Seele – Steckt der teufel in Deinem Laptop? fängt schon sehr vielversprechend an.

Historisch betrachtet könnte man dieser Flugschrift vielleicht ebenso viel Wert beimessen wie den Flugblättern der Weißen Rose, die mit Heldenmut den Feind im eigenen Land bekämpften und bis zuletzt das wahre Deutschland Friedrich Schillers verteidigten. Wie im folgenden klar werden wird, kommt Faschismus heute nicht im braunen Gewand daher, sondern mittels subtiler Gleichschaltung/“Vernetzung“ einer ganzen Generation, bei der sowohl Joseph Goebbels als auch Aldous Huxley vor Neid erblaßt wären. Diese Flugschrift soll vor allem den jungen Leser befähigen, dies als Krankheit zu erkennen, um sich rechtzeitig davon zu befreien.

Das Kollegium dieses Geschwister-BüSo-Gymnasiums hat durchaus einen kleinen Treffer gelandet. Der Faschismus hat sich ein neues Kostüm besorgt und braust tatsächlich auf seinem Gleichschaltungs-Kickboard durch die Gassen. Allerdings schwingt er dabei kein LAN-Kabel-Lasso, sondern gern mal schwarzrote Fahnen oder Transparente einer „Friedensbewegung“, die ihre Sprüche mit stilisierten Molotovcocktails verziert. Aber darum soll es ja jetzt nicht gehen, für die Linksradikalen habe ich mir einen weiteren Beitrag ausgedacht.

Unter der Überschrift Zombies aus dem Cyberspace wird weiter auf die Kacke gehauen.

Angesichts der heutigen Weltlage ist es erschreckend zu beobachten, wie die Mehrheit der heutigen Jugend ihre kostbare Zeit in fast ständiger Abwesenheit von der Realität verbringt. Ob iPod, Laptop, wLAN, Killerspiele, Second Life usw.; wer sich diese Art von Zeitvertreib a la MySpace, StudiVZ oder SchülerVZ mal genauer anschaut, wird schnell feststellen, daß er hier auf ein virtuelles Massengrab gestoßen ist, in dem wirklich jede Form von Dekadenz ihre Nische gefunden hat, bis hin zur Nekro- und Pädophilie. Das Verbrechen geht also über bloße Zeitverschwendung und Volksverdummung hinaus, denn wo die 68er-Generation mit „sexueller Befreiung“, LSD-Trips und meschugge machender Rockmusik nur der Vorgeschmack waren, beobachten wir jetzt eine Art „kultureller Endlösung“: den Ausbruch einer zutiefst satanischen
Kultur, wo Amokläufe an Schulen, gegenseitiges Abschlachten bei Parties und Selbstmord mehr und mehr zum Alltag gehören. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, daß es vor allem Lyndon und Helga LaRouche waren, die bereits vor Jahrzehnten warnten, daß solch eine Form eines „neuen dunklen Zeitalters“ ausbrechen würde, wenn
man dem sogenannten „Wertewandel“ nicht Einhalt geböte.

Es wundert mich, dass in dieser zutiefst satanischen Aufzählung Telefon, Elektrizität und Essbesteck fehlen. So prokelt man im Urschlamm unserer Großeltern herum, als fünfzehnjährige Milchzahnrocker mit ihren Mopeds als Schrecken der Nachbarschaft galten, mit ihrem Kamm in der Tasche und diesem unsäglichen Elvis Pressler oder wie der hieß. Die 68er haben ja viel Bockmist fabriziert, aber in diese Schublade passen sie aus meiner Sicht gar nicht hinein. Immerhin sind es auch diese Altrevoluzzer, die uns heute so gern in jene Suppe spucken, die auch den BüSos als Zielfass dient. Abgesehen davon kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie drahtlose Netzwerkverbindungen oder Musik zum Mitnehmen per se einen Fluchtweg vor der Realität bieten. Es sei denn, man bemüht die Romantik, dank derer wir im Auto zu unserer Lieblingsmusik für ein paar Minuten den Alltag aufhalten können. Hoffentlich stehen bei den BüSos keine Volksempfänger herum, denn sonst könnten die auch den Boden unter den Füßen verlieren – wenn sie ihn denn überhaupt noch berühren täten. Ebenso scheint man sich offenbar nicht so richtig mit sozialen Netzwerken auseinandergesetzt zu haben. Die ganzen VZs und „-Spaces“ quellen über vor Müll, das ist wahr. Allerdings beschwört man hier einen Dämon herauf, der sich bei eingeschalteter Nachttischlampe als Staubmaus unterm Bett enpuppt. Den tumben Freundesammlern in diesen Netzwerken stehen nämlich auch sehr viele Nutzer gegenüber, die jene Angebote als Kommunikationsplattform für den Austausch mit Leuten nutzen, die sie persönlich kennen. Auch hier frage ich mich wieder vor der Realitätsflucht, denn was ist realer als persönliche Bekanntschaften? Rückt man im BüSo-Tempel lieber Gläser, um die verblichene Oma nach ihrem Apfelkuchenrezept zu fragen? Wäre das real? In etwa so real, wie Amokläufe an Schulen zum Alltag gehören, denke ich. Das heißt: BüSo malt schwärzer, als man es aus einem Teerklumpen pressen könnte. Wären solche Vorfälle alltäglich, so würde man ihnen einen kurzen Absatz in der Randspalte der Zeitung widmen. Leute, die sich samt Auto um Bäume wickeln, sind alltäglich und das ist schon traurig genug. Schauen wir mal, was LaRouche uns zu sagen hatte:

Lyndon LaRouche, renommierter Ökonom und führender Staatsmann, äußerte sich dazu neulich in einem Aufsatz wie folgt:

„Wenn kein bedeutender Widerstand gegen die sich verschlimmernden gesellschaftlichen Zustände wahrnehmbar ist, entsteht unter diesen Bedingungen ein starker Impuls zu dem, was allgemein ‚Entfremdung’ genannt wird. [...]Die Wiederwahl George W. Bushs 2004 war demoralisierend [...] und ließ insbesondere unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ‚vorrevolutionäre Bedingungen’ entstehen. Die Flucht in Killercomputerspiele, um die Wut abzureagieren, und die Flucht aus dem Leben in den Cyberspace, erzeugen Tendenzen, in denen beides zusammenkommt. Das Ergebnis kann man ‚Zombies aus dem Cyberspace’ nennen. [...] Man sollte auch verstehen, daß die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die über ihre Sucht nach MySpace, Facebook und Killerspielen in eine derartige Realitätsflucht hineingezogen werden, den gleichen pathologischen Geisteszuständen unterworfen sind wie Selbstmordattentäter in Südwestasien. Psychologisch gesehen bewegen sich die Dauerbewohner des Cyberspace, ob in MySpace, FaceBook oder von Killerspielen, Stück für Stück auf einen gemeinsamen Platz im heutigen Äquivalent eines Nürnberger Nazi-Aufmarsches hin – das hätte man schon bei den Neonazis und Antifa-Kämpfern im heutigen Deutschland erkennen sollen. Die Tendenz zu einem solchen faschistischen Massenphänomen ließe sich aufhalten, aber […] ändern wir unser gegenwärtiges Verhalten nicht, so werden wir in Amerika, West- und Mitteleuropa bald das gleiche Problem von Massenselbstmorden und terroristischer Aggression erleben, das wir in Südwestasien angeblich so verabscheuen: ein Mittel der Kriegsführung, sei es als Kampfart in Bürgerkriegen oder auch als ‚Terrorismus’ einschließlich Selbstmord, wie in Blacksburg und Jokela. Genau das wird hier in den USA und anderswo eintreten, es sei denn, wir nehmen nicht bloß ‚Reformen’ zur Beruhigung, sondern entscheidende systemische Veränderungen an unserer Sozialpolitik generell vor.“

Schade, dass der Zusammenhang zwischen Bush Juniors zweiter Amtszeit und jugendlichem Zeitvertreib herausgekürzt worden ist. Man kann zu Bushs Politik stehen, wie man lustig ist. Einen möglichen Zusammenhang zu weiten Aktivitäten im Internet kann ich höchstens darin erkennen, dass man die ganzen Gruppen von Bush-Gegnern gar nicht mehr zählen konnte. Das wiederum hätte Herrn LaRouche doch freuen sollen, wo er George W. Bush doch hier in den satanischen Kreis hineinschubst.  Ebenso lässt der Abschnitt unklar, worin genau sich junge Netzjunkies und Terrormucheln nun ähneln sollen. Ist es die Fixierung auf das jeweilige hohe Gut, also den Kontakt zu anderen Menschen überall auf der Welt, bzw. die Unterwerfung der Weltbevölkerung unter die Worte des Proheten? Könnte man von diesem LaRouche-Gefolge nicht ebenso behaupten, dass sie sich in geradezu pathologischen Zügen an die Lippen ihres Führers hängen? Ich habe gerade einmal die ersten zwei Seiten dieses Schriebs zitiert und möchte den BüSos sofort die selbe Starrsinnigkeit vorwerfen, die sie bei all ihren eigenen Hasssubjekten auszumachen meint. Wieso zur Hölle wird die Generation des „Web 2.0″ überhaupt als faschistisch eingestuft? Im Großen und Ganzen bedienen sich die „Netzmenschen“ im Umgang mit ihren Kritikern doch den so hoch gelobten Mitteln der sachlichen und überlegten Diskussion. Flamer hat man überall, da muss man sich nur mal in einem Opelforum als VW-Fahrer outen. Sowas kann man außer Acht lassen. Nein – während die wirklich „wichtigen“ Blogger und sonstige Netzaktivisten da draußen jeglichen Vorwürfen stellen – und sie, falls möglich, durch sachliche Argumentation ausräumen – rufen gerade Leute wie die BüSos oder gewisse Spitzenpolitiker in diesem Lande nach Verboten und Sanktionen gegen alles, was ihnen gegen den Strich geht. Sollten diese Gestalten damit durchkommen, dann haben wir uns den Faschismus ein Stück näher herangeholt.

Ab Seite 3 schwadroniert ein Dave Christie über Die „geistige Dunstglocke“ des INSNA. Kurz gesagt geht es um die dunkle Seite der Macht Forschung an Netzwerken und Gruppierungen. Ein Hammer kommt auf Seite 4, wo Experimente zur Beeinflussung von Menschen beschrieben werden.

Ziel war es, eine Art Familiendynamik oder Dynamik des Gruppenzwangs nachzubilden, um in der Gruppe vorbestimmte Ziele durch Konsens zu erzwingen. Die Sozialingenieure nannten dies „Demokratie“. Durch den Angriff auf die Souveränität des Einzelnen in der Gruppe sollte dieser seine Souveränität der Gruppe aufopfern und auf diese Weise für die vorbestimmten Ziele beeinflußbar werden.

Wie steht es mit der Souveränität des Einzelnen, wenn ihm gar kein Spielraum dafür mehr gewährt wird? Wenn er alle zwei Meter einen mahnenden Zeigefinger vorm Gesicht hat und lediglich hört, das ist schlecht für dich; geh weiter ? Genau darauf läuft die Politik von Mutti Ursel und den BüSo-Templern hinaus. Sie wollen dem Einzelnen nicht erlauben, schlechte Seiten der Realität zu sehen, etwas zu unternehmen und ggf. auch mal  auf die Nase zu fallen. Kinder, die so überbehütet aufwachsen, können vergleichsweise schwer mit Rückschlägen umgehen.

Auf Seite 7 geht es wieder um das böse Internet. Aus der zweiten Spalte:

So füllten sich die chatrooms und andere Netzwerkseiten langsam mit Jugendlichen, die auf diese Masche hereinfielen. Ihnen wurde suggeriert, daß so viel einfacher sei, soziale Interaktion zu betreiben. Sie müßten anderen Menschen nicht mehr in die Augen schauen oder mit ihnen in einem Raum sitzen. Sie könnten in ihrer Cyber-Hülle
(„pod“) sitzen und zu Hüllenmenschen werden. Jeder Jugendliche könne von seiner Hüllenwelt im Computerlabor in seine Hüllenwelt im Internetcafé bis in seine Hüllenwelt im Studentenwohnheim laufen. Dann könne er, um sich gegen menschliche Interaktionen in der Außenwelt abzuschirmen, Kopfhörer in die Öffnungen seiner Hülle stecken und eine laufende Hüllenwelt ohne menschliche Interaktionen schaffen. Und hier kommt der richtige Hammer: Gelegentlich könne der Hüllenmensch eine richtig anonyme Erfahrung machen. Er könne mit anderen anonymen Hüllenmenschen zu einer anonymen Orgie zusammen kommen. Das wäre dann seine einzige „nichtkybernetische“ Erfahrung. Diese vermeintlich so brillanten gesellschaftlichen Kontrollschemata haben eine wichtige Schwachstelle:  Sie verkehren sich ins Gegenteil, wenn keiner „mitspielen“ will, d.h., wenn keiner das Menschenbild akzeptiert, das einem nur ein Ja oder Nein als Reaktion auf einen Reiz gestattet, sind solche Spielchen mit der „Menschenherde“ unmöglich. Schon Sokrates weigerte sich, daß man mit ihm spielte. Er akzeptierte die „Spielregeln“ nicht und bewies so die Absurditäten der Axiome seiner Zeit. Mit der „sokratischen Methode“ können selbständige Denker bis auf den heutigen Tag die „geistige Dunstglocke“ der Oligarchie durchbrechen.

Abgesehen davon, dass ein wirklich konkreter Bezug fehlt – welche Chats sind gemeint? War es ein Experiment? Meint man die gesamte Landschaft der Communities? Was??? – dieses „Hüllenmenschenbild“ mag auf Kinder zutreffen, die von der scheinbaren Anonymität im Internet überwältigt ihre Grenzen ausloten wollen. Dagegen gibt es Forenmoderatoren, Chat-Ops, die Netiquette und last but not least Erziehung. Allerspätestens als junger Erwachsener stellt man fest, dass es doch nicht so grenzenlos abläuft. Glücklicherweise ist das ein Alter, in dem man erste ernsthafte Mittel zur Gestaltung nutzen kann. Vorher handelt es sich schlicht um ein lustiges Abenteuer, wie ich finde. Anrichten kann Kind da nur wenig schlimmes.  Gepaart mit elterlicher Verantwortung – und hier muss der Ansatz erfolgen – können Kinder und Jugendliche allmählich den Umgang mit dem großen, bösen Internet halbwegs sicher erlernen. So wie einst den Schulweg oder das Radfahren im Straßenverkehr. Dann kann ein junger Mensch auch einschätzen, worauf er sich wirklich einlassen will. Für alles andere gibt es Abziehbare Netzstecker. In der ersten Spalte ist übrigens von Microsofts „Counterstrike“ (sic!) die Rede. Setzen, Sechs! Die Recherche reicht also durchaus an das Niveau professioneller Boulevardmedien heran. Was war noch gleich ein Browser Flusspferd?

Auf Seite 8 wird gegen Wikipedia gewettert. Zum Glück gibt es Lehrer und Dozenten, die für Hausarbeiten auf richtige Literatur verweisen und Wiki eine knallharte Absage erteilen. Dass Wikipedia nicht überall das zuverlässige Maß der Dinge ist, das ist ein alter Hut.Seite 9 befasst sich mit den Abgründen von MySpace, wo wahrlich bedenkliche Gruppen vorgestellt werden. Wo kein Kläger, da kein Richter. Das kann man auch für Stimmungmache nutzen, anstatt solche Inhalte wenigstens mal den Betreibern zu melden. Hier zeigt sich, dass die LaRoucheianer trotz allem menschlich sind. Sie gaffen lieber und geilen sich regelrecht daran auf, anstatt den Rettungswagen passieren zu lassen.

Auf den Seiten 10 bis 12 werden diverse school shootings beleuchtet mit der üblichen Leier, dass sich mit „Killerspielen“ wunderbar trainieren lässt. Wie oft ist gemahnt worden, dass derartige Spiele nicht für Kiddies gemacht sind? Wie oft wurde an die Verantwortung apelliert, die Ausgabe zu kontrollieren, so wie bei Alkohol und Tabak? Ganz abgesehen davon, ist sich ein gesunder Geist durchaus der Verantwortung bewusst, die er sich mit einer Feuerwaffe in seinen Händen auferlegt hat. Unzählige Pixelfiguren hatte ich bereits über den Jordan geschickt, als ich erstmals einen richtigen Revolver in der Hand hielt. Das war kein Spiel, das war bitterer Ernst. Hier durfte ich keinen Fehler machen, denn ein solcher hätte tödliche Folgen haben können. Wer es darauf anlegt, der würde vermutlich auch einen Backstein werfen. Die Rufe nach dem Warum erklingen immer wieder aufs neue. Warum kommt ein junger Mensch überhaupt auf die Idee? Unzählige Male wurde auf das mögliche Warum hingewiesen. Doch dieses Warum ist zu klebrig, als dass man es noch fix vor der Bundestagswahl beseitigen könnte. Also schwenkt man lieber auf zweckmäßigere Maßnahmen um, wobei der Zweck in möglichst öffentlichkeitswirksamen Blitzkampagnen liegt.

Auf Seite 13 (die letzte – JUHU!!) noch die übliche Forderung nach einem Verbot von allem, was irgendwie irgendwo böse sein könnte. Explizit werden hier Kinder und Jugendliche erwähnt. Habe ich schonmal angemerkt, dass Call of Duty usw. nicht für Vierzehnjährige gemacht sind? Dass sie auch nicht in Kinderhände gehören? Vorsichtshalber schreibe ich es nochmal. Es ist herrlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die Verantwortung als Erwachsener hier beiseitegefegt wird. Das ist ein Krümel 68er Bullshit. Die Anderen werden es schon richten. Ich kann nur hoffen, dass diese Schnepfe selbst keine Kinder hat. Als Erziehungsberechtigte scheint sie (wie jeder ebenso denkende Mensch) mir völlig ungeeignet zu sein. Sie können ein Kind nicht weinen sehen, also wenden sie den Blick ab und machen den Fernseher lauter. Dieses Pack sollte sich in Grund und Boden schämen!

~ von unruheherd am August 3, 2009.

4 Antworten to “Hokus Pokus Fidibus – dreimal schwarzer Balken”

  1. [...] das PDF hier nicht weiter kommentieren – der @unruheherd von der Schwafelsäure hat in seinem aktuellen Blogeintrag den Nagel auf den Kopf getroffen und gibt in gewohnter Weise seinen Kommentar ab. Ein Blogeintrag [...]

  2. Ein sehr lesenswerter Beitrag, wie ich finde. Mit der wunderbaren offenen Art und der Tatsache dass du kein Blatt vor den Mund nimmst, zeigst du mal wieder wo der Hase im Pfeffer liegt.
    Es wäre zu hoffen, dass die Betroffenen diesen Beitrag auch mal lesen würden. Aber, wenn sie so oft die Augen verschließen, dann bleibt das wohl ein Wunschtraum.

  3. Genial geschrieben :D und auch wenns absolut ernst is: so „bisschen“ Lachen musste ich auch ;)
    Wie könnten wir diesen Eintrag noch weiter verbreiten????

  4. [...] Hokus Pokus Fidibus – dreimal schwarzer Balken « Schwafelsäure – ät… [...]

Eine Antwort schreiben